
Mindesthaltbarkeitsdatum: Überflüssig, gewinnbringend oder lebensnotwendig
Mindesthaltbarkeitsdatum: Überflüssig, gewinnbringend oder lebensnotwendig?
Das Mindesthaltbarkeitsdatum liefert in der jetzigen Ausführung eine Angabe, die Verbraucher irrtümlicherweise zu Verschwendung verleitet. Eine Reformierung würde Gutes bewirken, aber wie könnte diese aussehen?
Seit vielen Jahren beschäftigen sich Verbraucher:innen, Industrie und Produzenten mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Jährlich werden in Deutschland etwa 80 bis 100 Kilogramm Lebensmittel pro Person weggeschmissen, obwohl sie nach Ablauf des MHDs oft noch genießbar sind. Ein triftiger Grund, um über eine Lösung gegen dieses Problem zu suchen und zu diskutieren. Das Consumer Goods Forum (CGF) zum Beispiel unterstützt Initiativen für eine doppelte Kennzeichnung auf Lebensmitteln. Dabei sollen auf allen Produkten zwei Daten stehen:
- Eines für Verbraucher:innen, das angibt, wie lange das Produkt ess- oder trinkbar ist.
- Ein anderes für den Handel, das zeigt, wie lange das Produkt im Laden angeboten werden darf.
Ziel dieser Regelung ist es, dass die Menschen weniger Lebensmittel verschwenden und damit ihre Umwelt geringer belasten. Das Mindesthaltbarkeitsdatum soll Verbraucher davor schützen, Lebensmittel zu verzehren, die nicht mehr genießbar sind. Die Problematik ist, dass die meisten Produkte noch lange haltbar sind und bei richtiger Lagerung wenig an Qualität verlieren. Eine doppelte Kennzeichnung würde Auskunft darüber geben, wie lange das Produkt noch genießbar ist, nachdem es das Haltbarkeitsdatum zum Verkauf überschritten hat.
Aber würde es helfen weniger Lebensmittel zu verschwenden? Mit Blick auf zum Beispiel Großbritannien oder Japan, wo Produkte bereits doppelt gekennzeichnet werden, lässt sich ein Trend ableiten. In Japan veranlassten steigende Lebensmittelpreise viele Käufer, «minderwertige» oder «kürzer haltbare» Lebensmittel zu wählen, sofern diese günstiger angeboten werden und im Geschmack nicht beeinträchtigt sind. Dies ließ sich aus den Verkaufszahlen einiger Händler ableiten, die eine großes Sortiment an «bald abgelaufenen» Produkten beinhaltete. Aufgrund der steigenden Lebensmittelpreise verzeichnete die Supermarktkette Maruyasu einen Anstieg um 25 % zum Vorjahr.1 Der Trigger zum Kauf von «bald abgelaufenen» Produkten sind die persönlichen Finanzen. Das Ergebnis ist jedoch zufriedenstellend, denn mehr Nahrung hat einen Verbraucher gefunden und landete nicht in der Tonne.
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nicht zeitgemäß und gehört überarbeitet, um aus den jüngsten Erkenntnissen der Lebensmittelverschwendung eine für Umwelt und Mensch gewinnbringende Situation zu schaffen. Jedoch ist eine doppelte Kennzeichnung wahrscheinlich nur ein Teil der Lösung und bildet eine Möglichkeit ab «minderwertige» oder «bald abgelaufene» Lebensmittel an Verbraucher:innen zu bringen.
Die Europäische Union diskutiert verschiedene Ansätze zur Reform der Lebensmittelkennzeichnung. Eine Möglichkeit ist die Abschaffung des MHDs auf lang haltbaren Lebensmitteln wie Nudeln, Reis oder Kaffee. Alternativ könnte nur das Verbrauchsdatum beibehalten werden. Eine weitere Option wäre, relevante Informationen durch Piktogramme anschaulicher für Verbraucher:innen zu gestalten.
1 https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/verbraucher-in-japan-greifen-vermehrt-zu-abgelaufenen-und-minderwertigen-lebensmitteln-336795/+
2 Die Abschaffung des MHDs könnte also sinnvoll sein, um die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und einen nachhaltigeren Konsum zu fördern1.
3 https://utopia.de/news/mindesthaltbarkeitsdatum-abschaffen-warum-das-sinnvoll-ist/
4 https://www.chip.de/news/Mindesthaltbarkeitsdatum-abschaffen-Ist-das-wirklich-sinnvoll_184666937.html
5 https://www.vzhh.de/themen/lebensmittel-ernaehrung/verschwendung-von-lebensmitteln/mindesthaltbarkeitsdatum-ist-das-noch-gut-muss-es-weg
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